Infektionsgefahr nach Nierentransplantation
Gefahr von Ansteckungen durch Bakterien, Viren oder Pilze
(Infektionen)
Jeder Patient
muss nach der Transplantation Medikamente einnehmen, die eine
Abstoßung verhindern, die sogenannten Immunsuppressiva.
Um deren Wirkung zu verstehen, muss man wissen, dass das körpereigene Abwehrsystem unter
„normalen" Bedingungen fremde Gewebe erkennt und bekämpft. Dies nennt man
„Abstoßungsreaktion".
Durch eine Abstoßung würde die transplantierte Niere sehr rasch ihre Funktion einstellen.
Um diesen Vorgang zu verhindern, verabreicht man Medikamente, die das Immunsystem bremsen, die
sogenannten Immunsuppressiva.
Allerdings bestehen auch bei optimaler Anwendung dieser Medikamente gewisse Risiken, die jeder
Transplantierte kennen sollte:
Die Wirkung dieser Medikamente bringt durch die Abschwächung der Abwehkräfte auch eine gewisse
Infektgefährdung mit sich.
Vor allem im ersten Jahr nach der Transplantation und nach der Behandlung von Abstoßungsreaktionen
kann es leichter zu Infektionen kommen.
Dabei kann es sich um leicht zu erkennende Infekt wie
z.B. Harnwegsinfektionen („Blasenentzündung",
Nierenbeckenentzündung") handeln, nicht selten können aber
auch andere Infekte, z.B. durch Viren, auftreten, die zum Teil nicht so leicht erkennbar sind.
Unter der Behandlung mit Immunsuppressiva können leider auch solche „banalen"
Infektionen, die ein
völlig gesunder Mensch unter Umständen gar nicht bemerkt, sehr schwer
verlaufen.
Daher sollte man als Transplantierte(r) bei jedem Infekt den behandelnden Nephrologen oder das
zuständige Transplantationszentrum kontaktieren oder aufsuchen. Vor allem im ersten Jahr kann jeder
sonst so leichte Infekt sehr schwer verlaufen, daher ist es wichtig, nicht lange zu zögern.
„Woran erkenne ich einen Infekt?"
Wir empfehlen jedem Patienten nach der Transplantation, wenigstens im ersten Jahr
täglich Temperatur zu
messen und die Daten am besten in einem kleinen Büchlein
(Patiententagebuch) zu notieren. Damit kann man eine
ansteigende Temperatur schon frühzeitig erkennen, oft sogar bevor man sich richtig krank fühlt.
Auch sollte man einfach gut auf den eigenen Körper hören. Wenn Sie eine deutliche Abnahme der
Leistungsfähigkeit, Husten, Brennen beim Wasserlassen o.ä. bemerken, ist dies nach Transplantation ein
dringender Anlass, den Nephrologen oder das Transplantationszentrum aufzusuchen.
Eine immer wieder gestellte Frage ist, ob man zu Hause alle Gegenstände desinfizieren sollte, um
möglichst wenig Keimen ausgesetzt zu sein.
Den Gebrauch von Desinfektionsmitteln hierfür können wir NICHT
empfehlen!
Im häuslichen Bereich ist eine Keimfreiheit nicht möglich. Durch
übertriebene Hygiene und die Anwendung von Desinfektionsmitteln würde man die ungefährlichen Keime,
die in unserer Umwelt überall vorhanden sind, ausrotten und damit den Boden für gefährliche Keime
bereiten.
Eine breite Anwendung von Desinfektionsmitteln kann daher eher Schaden anrichten!
Sinnvoll erscheint uns hingegen, im ersten halben Jahr nach Transplantation größere
Menschenansammlungen eher zu vermeiden. Gemeint sind hier besonders öffentliche Verkehrsmittel,
große Kaufhäuser, Massenveranstaltungen und ähnliches. Auch sollte man den Kontakt zu Menschen mit
einem Infekt vermeiden, insbesondere zu Kleinkindern mit Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken oder
Mumps.
Zahnfleischhygiene unter Cyclosporin/Sandimmun und Tacrolimus/Prograf:
Bei der Einnahme von Cyclosporin und auch Tacrolimus (Handelsnamen sind u.a.:
Sandimmun, Cicloral, Prograf) kann es zu
einem vermehrten Wachstum des Zahnfleisches kommen. Es handelt sich hier um eine in der Regel
ungefährliche Nebenwirkung, es kann aber zu gefährlichen
Entzündungen und Eiterungen kommen.
Daher ist es für Patienten nach Nierentransplantation wichtig, eine sorgfältige Mundhygiene
zu betreiben
und regelmäßig den Zahnarzt aufzusuchen.
Das bedeutet, dass die Zähne nach jeder Mahlzeit geputzt
werden müssen und dass man sorgfältig darauf achten sollte, dass keine Speisereste im Zahnfleisch
hängen bleiben. Wir empfehlen, die Zahnbürste auch mitzunehmen, wenn Sie auswärts, z.B. im
Restaurant essen.
In welchen Abständen der Zahnarzt aufgesucht werden sollte, erfahren Sie von ihm. Wir empfehlen,
mindestens einmal jährlich eine Kontrolluntersuchung durchführen zu
lassen.
Haustiere:
Auf jeden Fall vermeiden sollten Sie die Reinigung von Vogelkäfigen oder
Katzentoiletten.
Hier können Krankheitserreger lauern, die zwar für andere Menschen eher ungefährlich sind, die jedoch
eine große Gefahr für Patienten nach Transplantation darstellen können. Wenn es sich
unter keinen Umständen vermeiden lässt, solche Arbeiten doch auszuführen, sollten Sie dabei
unbedingt Handschuhe
und Mundschutz tragen und danach die Hände gut reinigen.
Auch bei der Gartenarbeit oder beim Umgang mit Topfpflanzen (z.B. beim Umtopfen) können Sie in
Kontakt mit Krankheitserregern geraten, die vor allem im ersten Jahr nach Transplantation sehr gefährlich
werden können.
Hier gilt: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ab wann Sie solche Arbeiten wieder aufnehmen
können.
Sicherlich ist vor allem im ersten Jahr nach Transplantation das Infektionsrisiko am höchsten. Doch auch
nach Jahren besteht das Risiko weiter. Nehmen Sie daher jeden Infekt
ernst, auch wenn die
Transplantation schon Jahre her ist!
Aus wiederholter leidvoller Erfahrung können wir nur raten, lieber hundert mal zu oft den Nephrologen
oder das Transplantationszentrum aufzusuchen, als einmal zu wenig!
(c) Prof.
Dr. Mann und Dr.
med. Martin Pachmann
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