Fragen zu: Ist die Nierentransplantation für jeden Patienten möglich?

Nierentransplantation bei Diabetes
Nierentransplantation bei nicht übereinstimmenden Blutgruppen
Nierentransplantation nach Nierenentfernung
Nierentransplantation bei Krebserkrankungen

Kann eine Nierentransplantation bei einem Diabetiker durchgeführt werden?

Frage:

Mein Vater hat anch einem Myokarinfarkt eine Insuffiziens beider Nieren. Er ist Diabetiker (spritzend) und 72.

Besteht die Möglichkeit einer Lebendspende? Wenn ja, besteht dann die Möglichkeit, eine solche Niere, die von mir kommen würde, bei späterem Ableben des Empfängers wieder zu reimplantieren?

Dr. Pachmann:

Eine Nierentransplantation ist eine große Operation, und auch die Immunsuppression und die möglichen Infekte können den Körper sehr belasten. Daher muss vor einer Meldung zu einer Nierentransplantation eine genaue Untersuchung erfolgen, um überhaupt zu klären, ob diese Operation und die nachfolgende Behandlung nicht ein zu großes Risiko für den Empfänger darstellt. Eine Beispiel für eine solche Auflistung finden Sie auf unseren Seiten. Zudem kann Ihnen der behandelnde Nephrologe (Zusatzausbildung des Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) sicherlich wenigstens einen Hinweis geben, ob für Ihren Vater eine solche Transplantation in Frage kommt.

Wenn diese Frage mit "Ja" beantwortet werden kann, muss als nächstes geklärt werden, ob die Gewebeübereinstimmung zwischen Ihnen und Ihrem Vater gut genug ist, damit eine solche Transplantation erfolgreich durchgeführt werden kann. Erst dann kann man die Operation planen.

Eine gespendete Niere kann nicht wieder zurück auf den Spender übertragen werden. Viele Argumente sprechen dagegen. Zum einen reicht eine einzelne gesunde Niere aus, um alle Nierenfunktionen zu übernehmen. Zum zweiten wird die Transplantierte Niere durch die Operation und im fremden Körper immer teilweise geschädigt, eine zweite Operation würde wahrscheinlich keinen Nutzen bringen. Und zuletzt sind viele Immunologische Mechanismen beteiligt, die Ihnen nach einer Rückübertragung wesentlich mehr Schaden als Nutzen liefern würden.

Frage:

Ich bin Diabetiker (insulinpflichtig)meine Nierenwert liegt im Moment bei Harnstoff=281, Krea 179.2 Eiweiss 30 mg/d1. Wie schlimm ist meine Situation? Muß ich bald an die Dyalyse? Stimmt es, dass ein Diabetiker keine neue Niere operiert bekommen kann?

Dr. Pachmann:

Generell ist es nicht möglich, über das Internet eine Diagnose zu stellen oder gar einen Behandlungsvorschlag zu machen. Das liegt daran, dass weder alle Befunde vorliegen, noch dass eigene Befunde erhoben oder Untersuchungen durchgeführt werden können.

Leider sind die Laborwerte immer nur in Verbindung mit den restlichen Befunden zu beurteilen, auch spielen Größe und Muskelmasse eine mit-entscheidende Rolle. Sicherlich ist es dringend erforderlich, dass Sie durch einen Nephrologen (Zusatzausbildung des Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen)  betreut werden müssen, denn eine Notwendigkeit zur Dialyse könnte schon bald bestehen.

Eine klare Antwort zur Frage der Transplantation kann ich Ihnen jedoch geben: Auch ein Diabetiker kann generell eine neue Niere erhalten! Allerdings muss sichergestellt sein, dass der Patient durch die Operation keinem zu hohen Risiko ausgesetzt ist, daher sind meist umfangreiche Voruntersuchungen notwendig. Auch sollte in der Regel zuerst die tatsächliche Dialysepflicht bestehen, bevor die Anmeldung zu Transplantation erfolgen kann.

Nierentransplantation bei nicht übereinstimmenden Blutgruppen

Frage:

Meine Schwester ist nierenkrank und wird durch die Bauchfelldialyse behandelt. Ich überlege, ob ich in der Lage bin ihr eine Niere zu spenden. Leider haben wir unterschiedliche Blutgruppen. Ich habe gehört, dass eine Spende auch mit unterschiedlichen Blutgruppen möglich sein soll. Ist das so?

Dr. Pachmann:

Für eine Lebendspende muss nicht immer eine exakte Übereinstimmung der Blutgruppe vorliegen. Aber die Blutgruppen dürfen untereinander nicht kreuzreagieren, dies ist bei einigen nicht-identischen Kombinationen der Fall, so dass auch dann eine Lebendspende möglich ist.

Zudem sind erste Versuche mit nicht kompatiblen Lebendspendern durchgeführt worden, bei denen nicht zusammenpassende Blutgruppen verwendet wurden. Allerdings ist hier eine wesentlich höhere Immunsuppression (mit entsprechend höherem Risiko an Nebenwirkungen und Komplikationen) erforderlich. Doch damit sind vielversprechende Erfolge erzielt worden.

Um herauszufinden, ob trotz ungleicher Blutgruppe eine Nierenspende möglich ist, sollten Sie sich an das zuständige Transplantationszentrum wenden. Welches Transplantationszentrum zuständig ist, erfahren Sie vom Nephrologen Ihrer Schwester.

Frage:

Wo ist der Rhesusfaktor lokalisiert und wo durch unterscheidet er sich von der Blutgruppe ( A, B und 0)?

Dr. Pachmann:

Alle Blutgruppenantigene (sowohl A und B als auch Rhesus) befinden sich auf der Oberfläche von Erythrozyten.

Der Unterschied zu den klassischen Blutgruppen liegt einerseits in der Art und dem Zeitpunkt der Erstbeschreibung, zum anderen sind Rhesusantigene nicht so konstant in der Bevölkerung verteilt wie A oder B. Zudem ist die immunologische Potenz geringer.

Nierentransplantation nach Nierenentfernung (Nephrektomie)

Frage:

Meine linke Niere wurde entfernt. Nun habe ich nur noch eine Niere. Kann ich mich bereits jetzt auf eine Warteliste setzen lassen für eine Spenderniere ?

Dr. Pachmann:

Man kann sich für eine Nierentransplantation erst anmelden, wenn Dialysepflichtigkeit besteht oder unmittelbar bevorsteht. Insofern können Sie hier nicht vorsorgen. Sie kwürden auch bei höchstgradiger Niereninsuffizienz und ohne Dialysepflicht eine Spenderniere nur dann zugeteilt bekommen, wenn eine optimale HLA-Übereinstimmung besteht.

Wenn Sie in Betreuung bei einem Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) sind, wird dieser alles dafür tun, dass Ihre zweite Niere so lange wie möglich arbeitet.

Nierentransplantation auch bei Krebserkrankungen?

Frage:

Meine Mutter hat Krebs an den Eierstöcken. Eine Niere ist offenbar nicht mehr funktionsfähig aufgrund der Metastasen. Bei der anderen Niere besteht nun eine Stauungsniere, es wurde mit einer "Schiene" eine künstl. Verbindung zur Blase geschaffen um dies zu beheben. Blutwerte immer noch schlecht, Erfolg fraglich.

Frage: Kommt eine Nierentransplantation bei ihr in Frage ? Oder wird dies bei krebserkrankten Patienten generell abgelehnt?

Dr. Pachmann:

Eine nicht sicher erfolgreich behandelte Krebserkrankung bedeutet normalerweise, dass keine Nierentransplantation durchgeführt werden kann. Dies hat zwei Gründe:

Erstens führen die Medikamente, die nach einer Transplantation notwendig sind, zu erhöhtem Krebswachstum. Damit würde die Transplantation einen großen Schaden anrichten.

Zum anderen ist eine Transplantation ein schwerer Eingriff, und nach der Operation müssen sehr starke Medikamente eingenommen werden. Wenn bereits vorher ein sehr schlechter Gesundheitszustand besteht, ist das Risiko hoch, die Transplantation nicht zu überleben. Dann hätte ein anderer Mensch eine Nieren verloren, und der Empfänger wäre durch die eigentlich nützliche Maßnahme umgekommen.

Zum Glück kann die Dialyse die Nierenfunktion  ersetzen, so dass ein Weiterleben auch ohne eigene funktionierende Nieren möglich ist.