Fragen zu:

Harnwegsinfekt / "Blasenentzündung" 

Pyelonephritis / "Nierenbeckenentzündung"

Harnwegsinfekte / Blasenentzündungen / Nierenbeckenentzündung

Häufige Harnwegsinfektionen
Schmerzen im Nierenlager
Kein Wachstum von Bakterien?

Frage:

Ich leide seit 1 Jahr an ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Die Leukos sind immer erhöht und ich habe auch immer Blut im Urin. Vor einem halben Jahr wurde bei mir ein Nierenstein entdeckt. Kann er die Ursache dafür sein? Wenn eine Blasenspieglung gemacht wird hätte ich gern eine Narkose. Kann ich darauf bestehen?

Können auch mechanische Reize von außen, wie z.B. längeres Radfahren 2x in der Woche oder auch Geschlechtsverkehr Harnwegsinfekte auslösen?

Dr. Pachmann:

Bei ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekten sollte einerseits der verursachende Keim gefunden und ausreichend lange behandelt werden, zudem sollte eine mechanische Ursache wie ein Reflux oder eine Stenose der Harnleiter möglichst ausgeschlossen werden.

Nicht immer ist dazu eine Blasenspiegelung erforderlich. Fragen Sie Ihren Urologen genau, warum er diese Untersuchung vorschlägt und welche Konsequenzen man aus welchem Befund ziehen würde. Besprechen Sie auch die Frage der Narkose, denn eine solche Spiegelung kann durchaus schmerzhaft sein.

Nierensteine sind in der Regel keine Ursache wiederkehrender Harnwegsinfekte. Auch Radfahren sollte bei entsprechend angepasster Kleidung kein Risiko darstellen. Durch Geschlechtsverkehr können allerdings viele Keime übertragen werden, möglicherweise muss, wenn ein Zusammenhang möglich oder wahrscheinlich erscheint, der Partner mit untersucht werden.

In seltenen Fällen ist es auch erforderlich, über eine längere Zeit Antibiotika einzunehmen, um den Infektfokus zu sanieren. Eine solche Behandlung sollte allerdings in Zusammenarbeit mit einem Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) erfolgen. Adressen finden Sie in Ihrem örtlichen Branchenbuch ("Gelbe Seiten" - www.gelbe-seiten.de o.ä.). Oder Sie lassen sich von Ihrem Hausarzt überweisen. Sollte es absolut nicht möglich sein, den nächstgelegenen Nephrologen auszumachen, können Sie sich auch nochmals an uns wenden.

Frage:

Meine Mutter hat in letzter Zeit Schmerzen in der Nierengegend. Von Ihrem Hausarzt weiss ich das Sie auch Blut im Urin hat. Was ist das ganzgenau für eine Erkrankung von den Nieren und wie gefährlich ist diese Erkrankung?

Dr. Pachmann:

Blut im Urin kann sowohl ein Hinweis für eine banale Infektion der Harnwege (z.B. Blasenentzündung) sein als auch ein Hinweis auf eine schwere Nierenerkrankung. Aus Ihren Angaben kann ich dies nicht unterscheiden. Ihre Mutter (oder Sie) sollte(n) daher ihren Hausarzt befragen, möglicherweise ist eine Überweisung an einen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) erforderlich.

Frage:

Habe alle paar Wochen Bakterien im Harn. 14 Tage nach Beendigung der Therapie tritt es wieder auf und ich habe seit gestern wieder Probleme. Der Harn brennt und riecht jauchig. Habe alle Untersuchungen von Röntgen, Blasenspiegelung, Harnkultur gemacht. Ich weiß eigentlich nicht mehr weiter. Ich drehe mich im Kreis

Dr. Pachmann:

Leider sind häufig wiederkehrende Harnwegsinfekte oder Blasenentzündungen ein häufiges Problem.

Besonders wichtig ist, dass die Art der verursachenden Bakterien genau bestimmt wird, dabei untersucht wird, welche Antibiotika wirken, und ie Behandlung lange genug durchgeführt wird. Sonst kann ein dauerhafter Schaden für die Nierenfunktion entstehen.

Wenn Ihr Hausarzt auch weiterhin keinen Behandlungserfolg erzielen kann, sollten Sie einen Frauenarzt oder einen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) aufsuchen, diese sollten ihnen weiterhelfen können. Möglicherweise muss nach einer Antibiotikapause nochmals der Urin genau untersucht werden.

Frage:

Seit nunmehr drei Monaten besteht bei mir ein Harnwegsinfekt. Die Antibiotika haben immer nur kurz angeschlagen. Was kann man weiter tun? Können nicht auch die Antibiotika schaden?

Dr. Pachmann:

In Ihrem Fall ist es sicher sehr wichtig, dass untersucht wird, ob es ein mechanisches Hindernis oder eine Veränderung gibt, die ihre ständigen Harnwegsinfekte hervorruft. Dazu ist oft schon eine Ultraschalluntersuchung bei einem Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) ausreichend. Wenn eine solche Veränderung ausgeschlossen werden kann, ist es wichtig, den Keim/ die Bakterien genau zu kennen und entsprechend mit dem richtigen Antibiotikum ausreichend lange zu behandeln. In hartnäckigen Fällen ist manchmal auch eine Behandlung über Monate erforderlich.

Dennoch ist es äußerst wichtig, diesen Infekt in den Griff zu bekommen und gut zu behandeln, den ein länger bestehender unbehandelter Infekt kann sehr viel eher als die Antibiotika zu einem Nierenschaden bis hin zum Nierenversagen führen.

Schmerzen
Frage:

Meine Mutter hat seit ein paar Wochen jeden Tag nach dem Aufstehen Schmerzen im Unterbauch, die bis in die Nierengegend ausstrahlen. Dazu muss sie Nachts oft aufs Klo. Die Schmerzen sind im Laufe des Morgens verschwunden. Seit 2 Tagen dauern diese Schmerzen jetzt bis Nachmittags. Sie hatte in den letzten Jahren immer wieder Blasenentzündungen.

Was kann das sein?

Dr. Pachmann:

Generell ist es nicht möglich, über das Internet eine Diagnose zu stellen oder gar einen Behandlungsvorschlag zu machen. Das liegt daran, dass weder alle Befunde vorliegen, noch dass eigene Befunde erhoben oder Untersuchungen durchgeführt werden können.

Eine einfache Möglichkeit, um das Vorliegen eines Harnwegsinfektes festzustellen ist, sich in der Apotheke Urinteststreifen zu besorgen. Diese sollte Felder für Leukozyten, Hb, Eiweiß und pH enthalten. Wenn Leukozyten und Blut oder Eiweiß positiv sind, ist das ein Hinweis auf das Vorliegen einer Behandlungsbedürftigen Erkrankung und sollte durch einen Arzt abgeklärt werden. Bei einem Harnwegsinfekt sind meistens Leukozyten und zusätzlich oft auch Blut/Hb und Nitrit positiv.

Frage:

Hallo! Ich hatte letztens eine Blasenentzündung, die mit einem Antibiotikum behandelt wurde. Jetzt seit kurzem habe ich dumpfe Schmerzen im Nierenbereich. Muss ich zum Arzt gehen oder besteht die Gefahr einer Nierenentzündung?

Dr. Pachmann:

Schmerzen im Nierenbereich, insbesondere in Zusammenhang mit einem Harnwegsinfekt, sind natürlich verdächtig auf eine Nierenbeckenentzündung. Da eine solche Nierenbeckenentzündung bedrohliche Formen bis hin zum Nierenversagen und „Blutvergiftung“ (Sepsis) annehmen kann, sollte dies unbedingt abgeklärt werden.

Frage:

Ist es möglich, sich die Nieren zu erkälten (bspw. wenn man mit freiem Rücken herumläuft). Was bedeutet das für die Nierengesundheit (welche Symptome treten auf, wie werden sie behandelt).

Dr. Pachmann:

Aus nephrologsicher Sicht kann kein klarer Zusammenhang zwischen kühlem Rücken und Infektionen der Harnwege oder der Nieren nachgewiesen werden.

Eine "Erkältung" der Nieren meint meist eine bakterielle Infektion des Nierenbeckens oder eine Blasenentzündung.

Man kann sich aber einen (indirekten) Zusammenhang vorstellen: Bei kühlerer Gewebetemperatur können die Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems nicht so gut arbeiten. Daher ist möglich, dass die Kälte eine (Harnwegs-)Infektion begünstigt. Auslösen kann sie eine solche Infektion jedoch nicht.

Kein Wachstum von Bakterien?
Frage:

Ich arbeite in einem Krankenhauslabor und bin zuständig für Urinuntersuchungen und Bekteriologie.

Meine Frage nun: wie kommt es, dass ich im Sediment massenhaft Bakterien sehe und auf dem Uricult aber nichts wächst. Dieses Phänomen tritt zwar selten auf, kommt aber immer mal wieder vor und niemand kann es mir erklären.

Dr. Pachmann:

Eine relativ einfache Erklärung dafür könnte sein, dass ein Teil der Bakterien auf konventionellen Nährböden nicht wächst und daher zwar unter dem Mikroskop sichtbar ist, im Uricult aber keine Spuren hinterlässt. Vor allem Chlamydien und Ureaplasmen lassen sich nur auf Spezialnährböden anzüchten.

Als weitere (und wahrscheinlichere) typische Ursache kommt die Vorbehandlung mit Antibiotika in Frage. Zwar sind noch massenhaft Bakterien im Urin vorhanden, die Wirkstoffkonzentration des Antibiotikums im Urin ist jedoch so hoch, dass kein Wachstum zustande kommt.

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