Nierenschäden durch ArzneimittelNierenschaden durch MedikamenteFrage:Welche Rolle spielt die Dauereinnahme von ASS 100 (täglich 1 x ASS 100 seit ca. 8 Jahren) beim Auftreten von Nierenerkrankungen? Bei mir wurde wiederholt Eiweiss im Urin festgestellt. Blutwerte sind in Ordnung Dr. Pachmann:Für viele Schmerzmittel gibt es klare Erkenntnisse, nach denen sie bei dauerhafter Einnahme eine Nierenschädigung verursachen können. Für die Dauereinnahme von 100mg Acetylsalicylsäure gilt dies nicht! Es gibt keinen Fall, in dem von einer Nierenschädigung durch die Einnahme von ASS100 berichtet wurde. In der Regel sind es die Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit, die zu einer Nierenschädigung geführt haben. Wenn Sie dieses Medikament wegen eines Stents einnehmen, dann kann es bei Absetzen zu einer Verstopfung des Stents kommen. Ändern Sie Ihre Medikation daher nicht eigenmächtig sondern befragen Sie Ihren Arzt. Frage:Mich würde interessieren ob auch Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. Vitamine u. Mineralstoffe etc. die Nieren schädigen können. Dr. Pachmann:Es gibt tatsächlich Vitaminpräparate, die Nierenschäden
verursachen können. Allerdings kommt das eher in Ausnahmefällen vor. Gefährlicher
sind solche Vitamin- und Mineralstoffpräparate, wenn bereits eine Einschränkung
der Nierenfunktion vorliegt. So kann z.B. Kalium bei Patienten mit
Nierenversagen tödliche Herzrhythmusstörungen verursachen. Im Zweifelsfalle sollten Sie die Packungsbeilage lesen und sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker informieren. Frage:Wie hoch ist die Möglichkeit, dass ich einen Niereschaden davon trage, wenn ich über den Zeitraum von neun Monaten ein Medikament zu mir nehme, das den Wirstoff "Diclofenac" beinhaltet. Und zwar täglich 3x1 ( Morgen,Mittas und Abend )? Dr. Pachmann:Diclofenac ist ein hochwirksames Schmerzmedikament, das aber wie alle stark wirksamen Medikamente auch das Risiko von Nebenwirkungen mit sich bringt. Diclofenac kann im wesentlichen über zwei Mechanismen einen Nierenschaden hervorrufen: Einerseits durch eine Art allergische Reaktion, die aber in der Regel relativ früh auftritt. Diese kann aber nicht vorhergesehen werden. Dann kann es aber auch durch eine Verminderung der Blutversorgung eine Verschlechterung der Nierenfunktion, insbesondere bei vorgeschädigten Nieren eintreten. Daher sollte gerade bei vorgeschädigten Nieren die Anwendung nur unter Kontrollen der Nierenfunktion erfolgen. Ein Zusammenhang der Nebenwirkungen an den Nieren und der Dauer der Einnahme ist jedoch für Diclofenac nicht beschrieben. Frage:Ich habe im Winter eine Hyposensibilisierung weg. Gräser-,Roggenallergie begonnen, habe diese aber nicht vertragen (u.U. weg. verzögerter Immunreaktion/Nebenwirkungen erst nach 2 Std. ersichtlich). Jetzt wurde zusätzlich noch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Gluten festgestellt. Können diese Immunprobleme eine chronische Glomerulonephritis hervorrufen oder das Risiko steigern? Dr. Pachmann:In der Folge einer Streptokokkenerkrankung kann es zu
einer Autoimmunreaktion in den Nieren kommen, diese Erkrankung nennt man
Poststreptokokkenglomerulonephritis. Als diagnostischen Hinweis kann man
bei Vorliegen einer Glomerulonephritis den Antistreptolysin-Titer
bestimmen, dieser wird oft ASL abgekürzt. Der Umkehrschluß, ein erhöhter
ASL-Titer würde automatisch das Risiko für eine Glomerulonephritis
anzeigen, ist aber so nicht richtig, denn der ASL-Titer ist bei vielen
Menschen erhöht. Mir ist bislang kein Fall bekannt, in dem eine
interstitielle Nephritis oder eine Glomerulonephritis durch eine
Hyposensibilisierungsbehandlung ausgelöst worden wäre. Dennoch ist
wahrscheinlich ein zwar sicher extrem geringes, aber theoretisches Risiko
schon vorhanden, denn beinahe jedes Medikament kann, und sei es auch nur
durch die beigemischten Konservierungsstoffe, zu einer solchen Nierenschädigung
führen. Die Tatsache, dass Ihre Nierenwerte bislang unauffällig sind, sprechen aber nicht dafür, dass bei ihnen eine solche Erkrankung vorliegt. Über Ihr persönliches Risiko lässt sich aber daraus nichts aussagen. Frage:Können durch Asthma Medikamente die bei einem Kind seit 14 Jahren verabreicht werden, Schäden an der Niere entstanden sein ? Bei unserem Sohn wurde anhand einer Blutuntersuchung, die Diagnose auf Glomerulonephritis gestellt. Dr. Pachmann:Die bei Kindern verabreichten Medikamente zur Behandlung des Asthmas sind in der Regel sehr gut verträglich. Eine dadurch ausgelöste Nierenschädigung wäre ein extrem seltener Einzelfall und ist sehr unwahrscheinlich. Glomerulonephritiden werden oft durch ein fehlgeleitetes Immunsystem verursacht. Die Ursachen kennt man in vielen Fällen nicht, ein Zusammenhang mit Medikamenten ist jedoch eher unwahrscheinlich. Frage:Ich habe seit Jahrzehnten eine psoriasis Arthritis. Seit ca. 10 Jahren ist zudem eine koronare Herzkrankheit bekannt, ich habe vier Bypässe. Seit über 20 Jahren nehme ich nun indometahcin. Sowie einmal pro Woche Methotrexat. Jetzt Anfang März stellt sich erstmals in der Blutuntersuchung ein Kreatinin von 1,5 mg/dl auf. Ultraschall der Nieren o.B. und das sofortige Absetzen von Indomethacin. Folge: Alle Entzündungsherde, die ich "im Griff" hatte flammen wieder auf. Novalgintropfen wurden verschrieben. Gibt es Alternativen für das Absetzen von Indimethacin? Dr. Pachmann:Zunächst halte ich es anhand der von ihnen gegebenen Informationen sehr wohl für vernünftig, die Behandlung mit Indometacin zunächst zu pausieren. Dann aber muss, am besten durch eine nephrologische Abteilung oder einen niedergelassenen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) untersucht werden, warum eine Niereninsuffizienz vorliegt, und ob eine Behandlung erforderlich ist. Zur Therapie der Psoriasisarthritis gibt es schon noch andere Substanzgruppen, die jedoch auch ihr nebenwirkungspotential haben. Daher muss vom behandelnden Arzt eine genaue Abwägung zwischen Nutzen und Risiko erfolgen, und die ist über das Internet nicht zu leisten. Am besten sollten Sie sich an ein größeres rheumatologsiches Zentrum, z.B. in einer Universitätsklinik wenden, wo man Erfahrung auch mit besonderen Verläufen wie bei ihnen hat. Frage:Seit Jahren nehme ich zur Behandlung einer Ösophagitis Protonenpumpenhemmer (Raboprazol, Esomeprazol, Nexium und zuletzt Pariet in Dosen von ca. 20 - 40 mg ein. Seit einigen Wochen wurde eine Niereninsuffizienz mit kompensierter Retention bei einem Kreatininwert im Serum von 1,7 mg/dl festgestellt. Gibt es Hinweise für die Schädigung der Nieren durch die obigen Medikamente bei längerer Einnahme? Dr. Pachmann:Die Protonenpumpenhemmer sind ein sehr häufig verwendetes Medikament und relativ sicher. Es ist unwahrscheinlich, dass durch diese Medikamente eine Nierenschädigung ausgelöst wird. Allerdings kann fast jedes Medikament im Rahmen einer, umgangssprachlich gesprochen, allergischen Reaktion eine Einschränkung der Nierenfunktion auslösen. Am sinnvollsten ist es sicherlich, wenn Sie sich durch einen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) untersuchen lassen, um die weiteren nötigen Untersuchungen duchführen zu lassen. In jedem Fall rate ich Ihnen dringend, die Ursache der Nierenfunktionseinschränkung abklären zu lassen. Frage:Ich muss seit Jahren als Dauermedikation Pulmicort und Foradil bzw. Berodual benutzen. Antibiotika habe ich auch schon oft nehmen müssen (früher in Mengen) so dass gegenüber vielen bereits eine Unempfindlichkeit besteht. Wie wirken sich auf Dauer diese Medikamente auf die Niere aus? Dr. Pachmann:Die von ihnen genannten Medikamente lösen zum Glück nur äußerst selten Nierenschäden aus. Es gibt nur wenige Medikamente, wie zum Beispiel bestimmte Schmerzmittel, die vor allem durch den Dauergebrauch Nierenschäden auslösen. Bei den meisten Medikamenten kommt es im Falle des Falles eher in der Anfangsphase der Einnahme zu Schäden. Insbesondere bei den Inhalationen sind mir bisher noch keine dadurch ausgelösten Nierenschädigungen bekannt. Bei Antibiotika kann es allerdings gelegentlich zu Reaktionen in der Niere kommen, die einer Allergie ähneln. Wenn sie unsicher sind, sollten Sie sich am besten an einen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) wenden, dieser kann auch mit einfachen Tests die Nierenfunktion überprüfen. Frage:Meine Zähne wurden komplett mit Amalgam saniert. Nun zeigt sich ein Nierenschaden mit Eiweißverlust über die Nieren und Nierenfunktions-Schwäche. Es wurde eine Ausleitungstheraphie mit DMPS durchgeführt. Kann der Nierenschaden durch das Quecksilber verursacht worden sein? Dr. Pachmann:Als eher schulmedizinisch orientierter Arzt bin ich nicht überzeugt, ob die Beschwerden wirklich durch das Amalgam verursacht wurden. Insbesondere kann auch die Therapie mit DMPS schwere
Nebenwirkungen hervorrufen. Generell ist es nicht möglich, über das Internet eine Diagnose zu stellen oder gar einen Behandlungsvorschlag zu machen. Das liegt daran, dass weder alle Befunde vorliegen, noch dass eigene Befunde erhoben oder Untersuchungen durchgeführt werden können. Die Ursache der Schmerzen ist daher für mich nicht zu klären. Eine wichtige Anmerkung möchte ich jedoch geben: Wenn tatsächlich eine Entzündung der Nierenkörperchen vorliegt (Glomerulonephritis; Glomerulum = Nierenkörperchen, -itis bedeutet Entzündung), dann sollten Sie dringen einen Nephrologen (Zusatzausbildung zum Internisten mit Fachgebiet Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen) aufsuchen, denn eiche echte solche Entzündung kann bedrohliche Folgen haben. Ich hoffe allerdings eher, dass diese Beschreibung Ihres Arztes nur eine Ungewissheit bezüglich der Schmerzen umschrieben hat.
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