Blutuntersuchungen

Zu den wichtigsten Blutuntersuchungen bei Nierenerkrankungen oder dem Verdacht auf Nierenerkrankungen gehören 

Die Bedeutung dieser Laborwerte wird im Folgenden besprochen:

Kreatinin und Harnstoff im Blut 

Nierenkranken gegenüber wird oft der Kreatinin- oder Harnstoffwert erwähnt. 
Was versteckt sich dahinter? 
Kreatinin und Harnstoff sind Abfallprodukte des Eiweißstoffwechsels, die im Blut zirkulieren und durch die Niere ausgeschieden werden. Je höher diese Werte im Blut (genauer: im Serum) sind, desto schlechter ist die Funktion der Niere.

Normalwerte: 

  • Kreatinin: 0.8 - 1.2 mg/dl

  • Harnstoff 20-45 mg/dl.

Beide Werte sind leicht zu messen und dienen daher sozusagen als „Thermometer oder Tachometer“ der Nierenfunktion. Von Medizinern werden sie auch als „Nierenwerte“ oder als „Retentionswerte“ (lat. retinire = zurückhalten) bezeichnet. 
Ein Kreatininwert von >1.3 bis 2.5 mg/dl bedeutet einen Verlust von etwa 30-50% der Nierenfunktion, ein Wert von 2.5 bis 5 einen Verlust von 50 - 70%. 
Ab einem Kreatininwert von 8-10 mg/dl muss man mit der Dialyse beginnen, denn dann funktioniert die Niere zu weniger als 10%. Eine so schlechte Entgiftungsleistung ist mittelfristig nicht mit dem Überleben vereinbar. 
Übrigens sind Kreatinin und Harnstoff selbst kaum giftig, sie zeigen nur an, wie gut oder schlecht Ihre Niere entgiftet.

Elektrolyte

Elektrolyte sind Salze im Blut. Dazu gehören vor allem 

  • Natrium

  • Kalium

  • Calcium

  • Chlorid

  • Phosphat und 

  • Bikarbonat. 

Die Niere scheidet diese Salze aus und reguliert ihren Blutspiegel. In der Regel schafft es die Niere bis kurz vor der Dialyse, diese Blutsalze im Gleichgewicht zu halten mit Ausnahme von 2 Substanzen:

Phosphat steigt schon geringen Einbußen an Nierenfunktion an. Den Phosphatspiegel muss daher man mit Tabletten senken (s. Kapitel Medikamente), da ein zu hohes Phosphat langfristig die Knochenfestigkeit schwächt.

Bikarbonat sinkt oft bei Nierenkranken mit mittelgradiger bis schwerer Niereninsuffizienz ab und kann durch Bikarbonattabletten behandelt werden. Bikarbonat ist im Blut eine Puffersubstanz um Säure abzufangen. Mit zunehmender Niereninsuffizienz fällt mehr Säure an. 

Die übrigen Serumelektrolyte werden in der Regel erst kurz vor der Dialyse verändert, z.B. kann dann das Kalium gefährlich ansteigen und Calcium, Natrium und Chlorid können abfallen. Dies kann Ihr Arzt leicht kontrollieren, denn die Elektrolyte sind in jedem Labor einfach zu messen.

Blutbild

Eine Blutarmut begleitet die meisten Nierenkrankheiten. 

Warum? 

Die Niere steuert die Blutbildung, weil sie das Hormon Erythropoietin bildet. Erythropoietin regelt wie viele rote Blutkörperchen vom Knochenmark produziert werden. Je schlechter die Niere funktioniert, desto geringer ist die Produktion von Erythropoietin und damit von roten Blutkörperchen. Je weniger rote Blutkörperchen, desto weniger Sauerstoff kann transportiert werden und desto geringer ist die individuelle Leistungsfähigkeit.
In bahnbrechenden wissenschaftlichen Untersuchungen wurde der Bauplan des Erythropoietins vor etwa 10 Jahren erkannt und das Hormon gentechnologisch nachgebaut. Seitdem kann es als Medikament gespritzt werden. Damit kann die Blutbildung von Nierenkranken normalisiert und die Lebensqualität entscheidend verbessert werden.

Merke:

 Als Nierenkranker sollten Sie über Ihre Kreatininwerte und die Menge an Eiweiß im Harn Bescheid wissen und evtl. darüber Buch führen. 
Diese Werte sind für Sie und für alle Ärzte, die Sie betreuen, von großer Bedeutung. Sie zeigen nicht nur, wie gut oder schlecht die Niere im Augenblick arbeitet, sondern auch - wenn mehrere Werte vorliegen - wie der Verlauf Ihrer Nierenkrankheit in der Zukunft wahrscheinlich sein wird 

Diese Abbildung zeigt, daß insbesondere bei Patienten mit Diabetes durch eine gute Blutdruckeinstellung das Voranschreiten der Nierenfunktionseinschränkung stark gebremst werden kann.

(c) Prof. Dr. Mann und Dr. med. Martin Pachmann

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Zweiter Teil: Die körperliche Untersuchung